Alle Preise
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Literatur

Der mit 5’000.- CHF dotierte Preis wird an Autorinnen und Autoren, die am Anfang ihrer Karriere stehen, für ein herausragendes literarisches Werk (in der Regel ein Erstling) in einer der vier Landessprachen verliehen.

Die Preise können an Autorinnen oder Autoren gehen, die die Schweizer Nationalität besitzen oder mindestens seit fünf Jahren in der Schweiz leben. Es gilt keine Altersbegrenzung.

Im Selbstverlag publizierte Werke können nicht berücksichtigt werden.

 

Katja Brunner

Geister sind auch nur Menschen

Luzern: Der gesunde Menschenversand, 2021

Jurybegründung:

Das Buchdebüt Katja Brunners, die sich mit ihren Theaterstücken im In- und Ausland einen Namen gemacht hat, enthält zwei Sprechstücke.

Das erste, «Ändere den Aggregatzustand deiner Trauer», erzählt keine fortlaufende Handlung, sondern kreist in Mono- und Dialogen, kurzen Episoden und Gedankenströmen um den Tod eines jungen Selbstmörders. Die Stimmen lassen sich nicht immer klar zuordnen oder voneinander abgrenzen. Vernehmbar werden die Mutter, die Schwestern sowie der Tote selber, aber auch ein Fuchs und der Tod. Die Reden und Gedanken der Hinterbliebenen verraten Verzweiflung und Hilflosigkeit, aber auch Verdrängung und fehlende Empathie. Auf ungewohnte Art wird so die Schwierigkeit des Umgangs mit dem Verlust eines Menschen und der eigenen Trauer zum Ausdruck gebracht.

«Geister sind auch nur Menschen», der zweite Text, spielt hauptsächlich im Altersheim und lässt einige der Heimbewohner*innen zu Wort kommen. Es ist ein «Sprechen ohne Zukunft […] daher freier als manch anderes Sprechen», wie es zu Beginn des Stücks heisst. Das Los der Pflegebedürftigen im Heim wird als Schwebezustand zwischen Leben und Tod beschrieben, in dem diese für die Pflegenden nicht mehr erreichbar sind und mit ihren Ängsten, Erinnerungen und Wünschen allein bleiben. Die Figuren sind dabei durchgehend ambivalent gezeichnet; auch in dieser Hinsicht erlaubt der Text keinen versöhnlichen Blick auf das Alter und seine Zumutungen.

Katja Brunners Sprechtexte überzeugen durch die Unerschrockenheit, mit der Themen wie Alter, Tod und Trauer behandelt werden, die gelungene Mehrstimmigkeit sowie die direkte und anschauliche, aber auch verfremdende Sprache, deren Mehrdeutigkeit nicht zuletzt die Texte voranbringt.

Katja Brunner, geboren 1991 in der Schweiz, hat am Schweizerischen Literaturinstitut Biel Literarisches Schreiben und an der Universität der Künste Berlin Szenisches Schreiben studiert. Sie ist eine erfolgreiche Dramatikerin, deren Stücke mehrfach ausgezeichnet wurden und im gesamten deutschsprachigen Raum und darüber hinaus gespielt werden. Zudem veröffentlicht sie in Literaturzeitschriften und tritt als Performerin auf. 2018 erhielt sie den Förderpreis des Regierungsrates des Kantons Zürich.

 

 

Laura Di Corcia

Diorama

Roma: Tlon, 2021

Jurybegründung:

«mi chiedo non perché // ma come»: la poesia d’apertura di Diorama di Laura Di Corcia offre già la stimolante prospettiva di lettura di chi incessantemente interroga la realtà e la Storia senza concessioni («piangere ha senso solo se non hai niente altro da fare»). Il titolo richiama non solo la natura sintetica e rappresentativa di certe vetrine museali, ma anche la duplice posizione – e forse l’ambiguità – di chi si trova all’interno di un microcosmo e al tempo stesso lo guarda dall’esterno. Dopo il testo introduttivo, è la struttura tripartita delle sezioni La catastrofe è già passata, Trincea e Terzo paesaggio ad accompagnare lettrici e lettori nell’alternanza di riflessioni astratte, profonde, e testimonianze concrete, talvolta ispirate dal vissuto personale. Le ingiustizie e le derive del nostro presente – come il razzismo, la violenza sulle donne, le prepotenze di classe – sono passate al setaccio di una lingua attenta e viva, che non teme di allungare il verso, rendendolo improvvisamente denso, o di rarefarlo in poche parole. In questo senso, le prose poetiche della sezione centrale “illustrano” bene che interrogare la realtà, per l’autrice, significa anche interrogare la lingua. Non solo alla ricerca di una casa, come sembra suggerire la prefazione, ma perché oggi, per vivere, è necessario «sporcarsi le mani», come mostra l’erba spontanea fra i binari: «resistere / è mettere il naso nel verde del mondo». Se Diorama è un’opera matura e a suo modo coraggiosa, quella di Laura Di Corcia è una voce nuova e intrigante nel panorama della poesia di lingua italiana.

Laura Di Corcia, nata a Mendrisio nel 1982, è scrittrice, critica teatrale, giornalista e insegnante. Vive nella Svizzera italiana.